Das AHOI-Projekt

Hintergrund
Nosokomiale Infektionen gehören zu den häufigsten Komplikationen medizinischer Behandlungen. Vor allem Kolonisationen und Infektionen mit multiresistenten Erregern bedeuten sowohl im Krankenhaus als auch in der stationären und ambulanten Pflege eine besondere Belastung für Patienten und Pflegebedürftige, ihre Angehörige und das Pflegepersonal.

Wirksame Präventionsmaßnahmen müssen sowohl im pflegerischen wie auch im akutmedizinischen Bereich ansetzen. Dabei erscheint es aussichtsreich, die Patienten und Pflegebedürftigen sowie ihre Angehörigen ins Zentrum der Intervention zu stellen. Bisherige Aktivitäten zur verbesserten Umsetzung infektionspräventiver Maßnahmen zielten jedoch lediglich auf das Verhalten der behandelnden Ärzte und der Pflegenden ab. Die Chancen einer stärkeren Einbindung der Patienten und Pflegebedürftigen sowie ihrer Angehörigen für die Infektionsprävention wurden bisher nicht genutzt.

Projektansatz
Ziel des AHOI-Projektes ist es, das Potential der aktiven Beteiligung der Patienten und Pflegebedürftigen sowie ihrer Angehörigen für die Vermeidung nosokomialer Infektionen zu erforschen und Musterlösungen zur Realisierung dieses Potentials zu entwickeln. Dabei soll die Rolle des medizinischen und pflegerischen Personals nicht vergessen, sondern im Projekt ebenfalls berücksichtigt werden.

Das bedeutet:

  • Die Patienten, Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen zu befähigen, die Umsetzung hygienerelevanter Prozesse durch das pflegerische und ärztliche Personal bewusst wahrzunehmen, konstruktive Rückmeldung zu geben und ggf. die Einhaltung der Hygienestandards einzufordern (Empowerment).
  • Das pflegerische und ärztliche Personal zu befähigen, die Mitwirkung und Rückmeldung der Patienten, Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen anzuregen, wertzuschätzen, anzunehmen und in Verbesserungen umzusetzen (Akzeptanz).
  • Die Patienten, Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen zu befähigen, sich aktiv in die Umsetzung hygienerelevanter Prozesse einzubringen, Hygienestandards zu kennen und in eigenes Verhalten umzusetzen (Compliance), z. B. Einhaltung notwendiger Isolationsmaßnahmen, falls erforderlich.

Nutzen
Durch eine aktive Einbeziehung der Pflegebedürftigen, Patienten und ihrer Angehörigen an der Vermeidung von Infektionen sollen infektionsbedingte Aufnahmen bzw. Wiederaufnahmen ins Krankenhaus vermieden werden. Für die Patienten bzw. Pflegebedürftigen ergibt sich durch die Interventionen eine bessere Pflege- und Behandlungsqualität, die sich in einer verbesserten Prävention von Infektionen und einer früheren Erkennung von Komplikationen ausdrückt. Das verbesserte Hygieneverhalten ermöglicht den Betroffenen zudem mehr Bewegungsfreiheit sowohl im Krankenhaus als auch in Pflegeeinrichtungen und einen besseren Selbstschutz. Das verbesserte Verständnis für Präventionsmaßnahmen und medizinische Prozesse fördert die Selbstbestimmung und die Interaktion mit dem Personal und den pflegenden Angehörigen. Das pflegerische Personal sowie die pflegenden Angehörigen profitieren von der Verminderung des Übertragungsrisikos. In der Summe reduziert die Umsetzung des AHOI-Projektes die Belastung der Pflegekräfte und verbessert die Teilhabe Pflegebedürftiger, pflegender Angehöriger und Patienten.

Projektpartner:        
Universitätsmedizin Greifswald
Universität Greifswald
KOMPASS e.V. – MRE-Netzwerk Mecklenburg Vorpommern

Gefördert durch:     
– Patientenbeauftragten und Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung Karl-Josef Laumann

 
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